Neues vom Polizeipräsidenten

Die Geschichte mit dem Polizeipräsidenten geht ja noch weiter und damit Ihr Euch keine Sorgen machen müsst, werde ich hier nun ein Update zum Besten geben. Aber eines gleich vorweg: Es wird noch eine Fortsetzung geben (müssen). Wer den ersten Teil verpasst hat, hier der Link: Polizei 1.0

Also nach dem lustigen Brief an den PolPräs (so nennt man ihn wohl „neu- oder amtsdeutsch“), war mein Rechtsanwalt ja nun auch nicht faul, biss aber genauso auf Behördengranit wie ich. Kurz gesagt: Bis Mitte Februar tat sich absolut nichts: Keine Antwort von der Polizei, kein Auto, keine Festnahme, kein Besuch vom PolPräs. Schade, denn ich hatte schon in einen guten magenfreundlichen Aldi-Kaffee investiert und meinen Sohn auf den bevorstehenden „hohen“ Besuch mental vorbereitet: „Dem musst Du mal Deine Bionicle-Krieger zeigen, dann bekommt er vielleicht eine gute Anregung für die Ausrüstung seiner Polizeibeamten, die sich mit dem Abschleppen von Autos beschäftigen müssen. Das ist sicher ein gefährlicher Job …“ sage ich zu ihm. Keine Sorge: Derartigen Sarkasmus kennt er schon von mir – er trägt es mit Fassung. Aber zurück zu meinem Auto: Der Status Quo war ja, dass ein abgemeldetes (also unversichertes) Fahrzeug unauffindbar auf öffentlichem Straßenland „parkte“. Ich machte mir große Sorgen – besonders um den noch gut erhaltenen Kindersitz. Dann rief sie an! Meine Traumfrau rief mich persönlich an. Man stelle sich das mal vor: Es klingelt, ich nehme ab und sage brav meinen Namen. Dann ertönt es: „Hier ist Frau XYZ vom Landeskriminalamt Berlin. Spreche ich mit Herrn P. ?“. „Wow!“ sage ich, „Klar bin ich Herr P. Wenn das LKA bei mir anruft, bin ich entweder bald verhaftet oder sie haben mein Auto gefunden.“. Sie entgegnet: „Ja, wir haben Ihr Auto gefunden. Ich habe da so ein Schreiben von Ihnen auf dem Schreibtisch …“. „Ah, der Präsident hat meinen Brief also gar nicht gelesen, sondern Sie?“ frage ich interessiert. „Das ist richtig. Ich bin ja auch eigentlich gar nicht zuständig, weil ich mich um echte Diebstähle kümmern muss, aber ich habe da mal den Hut aufgesetzt, damit der Fall geklärt wird.“ erzählt sie mir. Ich bin begeistert. Um die Geschichte mal abzukürzen: Der Wagen ist einem Polizeibeamten nur deshalb aufgefallen, weil der TÜV abgelaufen war (das ist aber angesichts des abgemeldeten Zustandes das kleinste aller Probleme). Da wittert die Nase des Ordnungshüters ja sofort eine OWI (Ordnungswidrigkeit) und kann einen gebührenpflichtigen Vorgang erzeugen, was sich natürlich immens auf die Motivation zum Arbeiten auswirkt. Voller Eifer also tippt dieser fleißige Mensch vom Ordnungsamt oder der Polizei (ich werde wohl nie erfahren, welcher „Held“ mein Fahrzeug „gefunden“ hat), das Nummernschild in seinen PePoDiDe (das steht für Personal Police Digital Device) und will damit den bösen bösen Halter aufspüren … da gerät die Aktion unvermittelt zum Kriminalfall, denn das Fahrzeug ist gestohlen. Also: Sofort die Dienstwaffe gezogen und entsichert, den Tatort abgesperrt, Verstärkung angefordert, den Hubschrauber herbeigerufen und alle umstehenden Passanten vorsorglich verhaftet. Naja, vielleicht hat es sich nicht ganz genauso abgespielt … egal. Übrigens: Das PePoDiDe ist dieses überdimensionale „Zahlscheinausdruckgerät“, mit dessen Hilfe Geld gesammelt wird, damit wir Bürger z.B. vernünftige (= schlaglochfreie) Straßen bekommen. Wie man sieht, funktioniert das ja auch sehr gut.

Aber ich schweife schon wieder ab: Die nette LKA-Dame erklärt mir dann noch, dass der Beamte, der mein Auto fand, immer noch dachte, es wäre gestohlen. „Wahnsinn!“ sage ich, „Ich schreibe mir seit November die Finger wund, schalte einen Rechtsanwalt ein und die Polizei bekommt einfach nicht mit, dass da was schief gelaufen ist?“. Wenn man mal jemanden den Begriff „Erkenntnisresistenz“ erklären wollte, könnte man kein besseres Beispiel finden. „Ich verstehe ja auch nicht, warum da keiner reagiert hat. Offenbar ist Ihre Akte wohl bei der Polizei verschwunden und beim Ordnungsamt fühlte sich keiner zuständig.“ sagte sie. Meine Akte ist also weg? Das ist ja mal eine richtig gute Nachricht! Die haben sicherlich ohnehin zu viel Daten über mich gespeichert (habe zwar keine Deutschland-Karte, bin aber ADAC-Mitglied, siehe Einkaufen 2.0). Juchuuuu! Ich bin wieder ein unbeschriebenes Blatt, kein Strafzettel wegen Falschparkens vor der Kita beschmutzt nun meinen blütenweißen Lebenslauf, Ja, das war es wert. Die LKA-Dame holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück und signalisiert mir, dass es ja nur um diesen einen Vorgang gehen müsse. Aber was da passiert sei, müsse sie halt noch ermitteln. Mein Auto wäre jedenfalls sichergestellt worden: Es befinde sich nun in der Belziger Str. bei der Polizei, d.h. es ist schon wieder umgesetzt worden. Das ist mal Abschleppen 2.0. Ich sage sofort: „Aber diese neue Abschlepperei zahle ich auf keinen Fall. Über das erst mal können wir ja noch reden.“ Sie versichert mir, dass ich das nicht bezahlen muss – der Steuerzahler muss dafür herhalten … hmmmm, das bin ich ja auch irgendwie. Warum habe ich bei diesem Vorgang ständig das Gefühl, der Verlierer zu sein? Komisch.

Also gut, ich rufe Jörg, meine gute Auto-Mechaniker-Seele an, erzähle ihm die Story (er lacht kurz) und verabrede mich mit ihm bei der Polizei. Nach einem ziemlichen Wutausbruch von Jörg bei der „Sicherstellungsbehörde“ (er ist völlig genervt, dass er das rote Kennzeichen oben im 1. OG vorlegen muss, obwohl unten auf dem Hof ein anderer Polizei-Mensch das Ding genauso hätte prüfen können), gehe ich mit dem Polizisten in die Halle, in der die Autos stehen. Wow! Lauter „gestohlene“ Fahrzeuge denke ich so bei mir. „Was ist denn bei Ihnen passiert?“ frage ich den Polizisten, als wir durch riesige Pfützen laufen. „Irgendwie ist der Abfluss verstopft. Das ist hier eine ziemliche Schweinerei.“ entgegnet er sauer. Dann ist es soweit. Der große Moment ist gekommen. Ich sehe mein Auto.

Wir legen jetzt bitte eine Schweigeminute ein … oder halten eine kleine Mahnwache.

Da steht es bzw. darunter steht es, muss man ja sagen, denn es ist von einer unglaublichen Menge Schnee bedeckt. An den verschiedenen „Sedimenten“ kann man noch gut erkennen, wie der Schnee während der letzten Monate beschaffen war. Wahnsinn! Der Polizist geht kurz weg, weil er das Tor für Jörg aufmachen muss und ich mache mich daran, meinen armen Liebling von dem eisigen Kokon zu befreien. Die Menge an Schnee ist wirklich gewaltig. „Was machen Sie denn da. Um Gottes Willen, sie fluten mir ja die ganze Halle. Hätten Sie das nicht draußen machen können?“ fährt mich der Polizist wütend an. „Nein! Das ist nämlich verboten. Ich darf nicht mit Schnee auf dem Dach wegfahren, sonst schreibt mir die Polizei einen Strafzettel“ entgegne ich geistesgegenwärtig, denn ich habe nach dem ganzen Brimborium um meinen Wagen ein, sagen wir mal „gewisses Training“ im Umgang mit merkwürdigen Staatsbediensteten. Das zahlt sich nun aus, denn er ist sprachlos. Die kurze Starthilfe von Jörg wirkt: Er spring sofort an – was soll man sagen: Deutsche Wertarbeit halt. Da steht er nun bei Jörg: In Freiheit und froh, wieder bei seinem Herrchen zu sein. Ob ich meinem allerliebsten Auto sage, dass ich ihn nun gar nicht mehr haben will, weil ja der TÜV abgelaufen ist und Jörg meint, das eine Reparatur jenseits jedes rationellen Rahmens liegen würde? Wie bringe ich ihm das schonend bei? Ich frage vielleicht mal die Polizei, ob die noch einen sehr gut erhaltenen BMW braucht …

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Über Prof. Dr. Roland Petrasch

Born 1965 in Berlin, Germany, study Mathematics at Beuth Hochschule (formerly TFH Berlin), Ph.D. from University Potsdam (Topic: Software Quality Management). System programmer at Nixdorf, Software engineer and project lead at Lufthansa Informationstechnik, consultant (freelancer). 1999 Professor at a private college (Nordakademie), and Hochschule für Technik und Wirtschaft (formerly FHTW Berlin), since 2003 professor for software engineering at Beuth Hochschule für Technik; research topics: software engineering, (agile) project and quality management, HCI; Books “Einführung in das Software-Qualitätsmanagement” and "Model Driven Architecture", Editor for „Software-Qualitätsmanagement: Theorie und Praxis“; Memberships: Gesellschaft für Informatik e.V., Fachgruppe "Software-Usability" (www.software-usability.de), MDSE (Model Driven Software Engineering, www.sig-mdse.org), Manager at Interactive Software and Media Engineering
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